TTC rollcom Reutlingen
www.ttcreutlingen.de > Der Verein > Archiv
TTC rollcom Reutlingen

TTC rollcom Reutlingen gewinnt Bronze bei den 'Deutschen'

Jugendnationalspielerinnen aus Russland und Lettland verhindern Finaleinzug

(hf) Mit einem dritten Platz kehrte der TTC rollcom Reutlingen von den diesjährigen nationalen Mannschaftsmeisterschaften der Jugend aus Neuenstein zurück. 'Die Mannschaft hat fantastisch gekämpft und ihr großes Können gezeigt. Von den fast fünfzig mitgereisten Fans wurde sie zwei Tage lang frenetisch angefeuert', lautet die positive Bilanz von TTC-Jugendleiter Hartmut Fach. Und dennoch gibt es einen dicken Wehmutstropfen in diesem Resümee, denn der Finaleinzug wurde den Reutlingerinnen geradezu 'geklaut', da Halbfinalgegner GSV Eintracht Baunatal mit zwei 'eingeflogenen' Jugendnationalspielerinnen aus Russland und Lettland an Position drei und vier antrat (siehe nachstehende Anmerkungen) und somit praktisch kein Spiel verlieren konnte. Das 5:5-Unentschieden im Semifinale reichte dem TTC-Nachwuchs nicht zum Finaleinzug, da Baunatal am Schluss einen Satz besser war. Am Ende siegte jedoch die sportliche Gerechtigkeit, denn der neue deutsche Meister TSG Heidesheim hatte im Finale gegen Baunatal beim 5:5-Unentschieden die Nase mit zwei Sätzen vorne.

Anja Skokanitsch, Korinna Marx, Johanna Weidle und Kathrin Müller

Zum Auftakt legte der 'Rollcom-Express' am Samstag gleich richtig los. Nach knapp zwei Stunden Spielzeit erwischte das TTC-Quartett mit Johanna Weidle, Anja Skokanitsch, Kathrin Müller und Korinna Marx beim 6:0-Sieg gegen West-Vize TTC Baesweiler einen optimalen Start. Im parallel ausgetragenen zweiten Gruppenspiel fertigte Südwest-Vize TSG Heidesheim den hochgehandelten Nordmeister TuS Germania Schnelsen überraschend deutlich mit 6:1 ab. Somit ging im nächsten Spiel gegen die TSG Heidesheim schon um eine Vorentscheidung über den Gruppensieg. In diesem Spiel führte Altmeister Alfred Hitchcock Regie. In den Doppeln und dem ersten Paarkreuzdurchgang trennten sich die Gegnerinnen jeweils 1:1, so dass es nach 6 Spielrunden 3:3 Unentschieden stand. Nach dem bisherigen Spielverlauf deutete alles daraufhin, dass dies auch bis zum Schluss so bleibt. Im achten Spiel traf Reutlingens Nummer zwei Anja Skokanitsch auf Rabea Sauer. Sie führte bereits 2:1 nach Sätzen und 10:5. Fünf Matchbälle reichten nicht zum Sieg, da ihre Gegnerin sieben Punkte in Folge machte. Der fünfte Satz war an Dramatik nicht zu überbieten. Frenetisch wurde sie von den Reutlinger Fans mit Trommeln und Rasseln angefeiert. Die Führung wechselte ständig und am Ende siegte Heidesheims Nummer zwei mit 13:11. Damit war die Vorentscheidung gefallen, da auch das letzte Paarkreuzduell erwartungsgemäß 1:1 endete und Heidesheim mit 6:4 dominierte.

Nach dem 6:2-Sieg von Schnelsen gegen Baesweiler musste nun das letzte Gruppenspiel entscheiden, wer neben Heidesheim ins Finale einzieht. Der TTC rollcom Reutlingen lag nach den Doppeln und den ersten drei Einzeln schnell mit 5:0 in Führung. Anschließend konnte Schnelsen nochmals auf 5:2 verkürzen, doch Mannschaftsführerin Kathrin Müller holte dann den entscheidenden sechsten Punkt. Die beiden Halbfinals lauteten dann GSV Eintracht Baunatal - TTC rollcom Reutlingen und Westmeister TTC Mennighüfen - TSG Heidesheim.

Bereits vor dem Halbfinale legten die Reutlinger Protest gegen die Mannschaftsaufstellung von Baunatal ein, die an Position drei und vier zwei Jugendnationalspielerinnen aus Russland bzw. Lettland aufgeboten haben, und dies keinesfalls der Spielstärke entsprach. Nach den Doppeln stand es erwartungsgemäß 1:1. Am vorderen Paarkreuz gewannen Weidle und Skokanitsch ihre Spiel und brachten den TTC mit 3:1 in Führung, die von Shuvaeva und Petrosuite wieder egalisiert wurde. Baunatal lag bis zu diesem Zeitpunkt allerdings einen Satz in Führung. Nach weiteren 30 Minuten Spielzeit gewannen die Reutlingerinnen am vorderen Paarkreuz auch ihre zweiten Spiele, gaben allerdings jeweils einen Satz ab. Somit mussten Müller und Marx für den Finaleinzug vier Sätze gewinnen. Während Marx gegen die absolute 'Überfliegerin' Petrosuite (sie gab im ganzen Turnier gerade mal zwei Sätze ab) chancenlos war, lief Kathrin Müller nach verlorenem ersten Satz zur Hochform auf und steigerte sich in einen wahren Spielrausch. Taktisch glänzend von Betreuer Markus Fach eingestellt, lag sie mit 2:1 Sätzen und 7:5 in Führung, als das Unfassbare geschah: Der Baunataler Abteilungsleiter hatte erkannt, dass das Match längst gekippt war und seine völlig entnervte Spielerin Shuvaeva auf der Verliererstraße war. Der russische Trainer 'Vladi' hatte auch kein 'time out' mehr. Also rannte der Vereinsboss nach dem 7:5 Führungspunkt in die Box und beschwerte sich minutenlang über die frenetische Anfeuerung der Reutlinger Fans. Durch diese Spielunterbrechung konnte sich die Russin wieder neu konzentrieren, machte die nächsten drei Punkte und fand so ins Spiel zurück. Sie entschied diesen Satz knapp mit 11:9 für sich und gewann auch den fünften Satz sicher mit 11:6, da Müller nicht mehr zu ihrem Konzept fand. 'Eine solche unglaubliche Unsportlichkeit habe ich noch nie in meiner langen Zeit als Jugendleiter erlebt', urteilte Fach. Leider wurde auch dieser Protest vom Schiedsgericht abgelehnt, da es eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters war, die Partie ohne Punktabzug für die Baunataler fortzuführen.

Trainer Dieter Kunze war nun als Psychologe gefragt, da die TTC-Mädchen nach diesen unsportlichen Ereignissen doch ziemlich frustriert war. Doch er fand die richtigen Worte und stimmte die Mannschaft in bewährter Weise auf das entscheidende Spiel um die Bronzemedaille gegen den TTC Mennighüffen ein. Nach fast drei Stunden Spielzeit und vielen hochklassigen Ballwechseln gewann der TTC rollcom Reutlingen mit 6:3 und sicherte sich damit den vielumjubelten dritten Platz.

Anmerkungen zur 'getürkten' Mannschaftsaufstellung von GSV Eintracht Baunatal:

Vor der Hinrunde hat Baunatal die beiden Jugendnationalspielerinnen Anne Shuvaeva und Julija Petrosuite an Position ein und zwei gemeldet, da über den russischen Trainer von Baunatal entsprechende Kontakte vorhanden waren. Die deutlich bessere Petrosuite machte während der ganzen Saison kein einziges Spiel für Baunatal, Shuvaeva spielte in der Hinrunde einmal, in der Rückrunde nicht. Wegen fehlender Bilanzpunkte konnten die beiden Spielerinnen dann zur Rückrunde an Position fünf und sechs aufgestellt werden. Diese Aufstellung ist für die regionalen und nationalen Meisterschaften maßgebend und wurde somit auch vom Hessischen Tischtennisverband genehmigt. Beide Spielerinnen wurden dann erstmals bei den Südwest-Meisterschaften eingesetzt. Die Chance, dass diese beiden Spielerinnen ihre Einzel jeweils mit 3:0 gewinnen und auch im Doppel eine 'Bank' sind, liegt auf der Hand. Somit musste das vordere Paarkreuz lediglich hin und wieder einen Satz gewinnen, denn ein 5:5-Unentschieden reicht dann fast immer zum Sieg. Nach den Ausschreibungsregularien hat der prüfende Landesverband zu prüfen, ob nach der Spielstärke aufgestellt wurde. Hier hat es sich der hessische Verband wohl einfach gemacht und lediglich die Bilanzpunktzahl zu Grunde gelegt. Eine Nachfrage, warum diese Spielerinnen während der Saison nicht eingesetzt wurden, ist unterblieben. Tatsache ist, dass beide im Ausland wohnen und kein Wort deutsch sprechen. Der Protest der Reutlinger wäre nur dann erfolgreich gewesen, wenn der Nachweis geführt werden kann, dass die Spielerinnen in der nationalen Verbandsrunde eingesetzt waren. Dies ist praktisch nicht möglich.

In einem Beschwerdebrief an den deutschen Tischtennisbund wird TTC-Jugendleiter Hartmut Fach die klare Forderung stellen, dass diese nach den gültigen Regularien mögliche Praxis unterbunden werden muss und die Statuten des Verbandes entsprechend geändert werden sollten. Wohin soll sonst der Jugendsport noch führen, wenn ausschließlich der 'Geldbeutel' über den Erfolg entscheidet, da beispielsweise Baunatal nicht nur die anderen Vereine um den Erfolg betrogen hat, sondern auch den regulär an Position drei und vier gemeldeten deutschen Spielerinnen die Chance genommen hat, einmal in ihrer Karriere bei nationalen Meisterschaften mitzuspielen. Die beiden haben sich übrigens sportlich fair bei allen beteiligten Gegnern für diese sportliche Ungerechtigkeit entschuldigt.